Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Zwischen Tyrannis und Gottesgnadentum

Antike Alleinherrschaften im interkulturellen Vergleich

Prof. Dr. Ulrich Gotter, Prof. Dr. Kai TrampedachHavener, Wolfgang

Teilprojekte

Wolfgang Havener
Imperator Augustus – Die diskursive Konstituierung der militärischen persona des römischen Kaisers im 1. Jh. n. Chr.
Abstract

Fabian Seith
Das Schwert hinter dem Kaiser. Der Prätorianerpräfekt im Prinzipat
Abstract

Abgeschlossenes Projekt

Johannes M. Geisthardt
Im Dienste des Kaisers? Konstituierung und Selbstverständnis der römischen Reichselite
Abstract

Abstract

Fragt man nach sozialer Integration in der Geschichte, ist die Figur der Monarchie von kaum zu überschätzender Bedeutung. Alleinherrschaft ist geradezu als die Standard-Integrationsfigur vormoderner Gesellschaften zu bezeichnen. Das gilt insbesondere für die Organisation von Reichen, die ‒ wie zumeist in der Antike ‒ verschiedene Kulturen zusammenbanden. Trotz dieser offensichtlichen Relevanz scheint die Analyse der antiken Monarchie derzeit eher unterbelichtet, zumindest wenn es um das Gesamtphänomen jenseits der einzelnen monarchischen Konfiguration geht. Ihr Bedeutungsverlust seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts hängt wohl vor allem mit zwei Entwicklungen zusammen: Zum einen führte die Diskreditierung des Legalitätsgedanken als historisch-analytischer Kategorie zur Demontage des staatsrechtlichen Paradigmas, zum anderen lenkten der sozialgeschichtliche Paradigmenwechsel und die tendenzielle Diskreditierung der Biographie die Aufmerksamkeit von der Person des Herrschers auf die soziale Oberfläche seiner Herrschaft ab.

Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Forschungsprojektes, ein zentrales und für die Integrationsfragestellung relevantes Thema unter kulturgeschichtlichen Auspizien zurückzugewinnen. Wenn man auch die Einwände gegen die klassische Monarchieforschung teilt, lässt sich doch mit einer Verschiebung des Versuchsaufbaus eine neue und sinnvolle Perspektive auf den Gegenstand einnehmen. Sie setzt bei dem Konzept von „Herrschaft“ an: Herrschaft wird von uns aufgefasst als eine plausible Vermittlung von Hierarchie, deren Stabilität von der erfolgreichen Kommunikation zwischen Herrscher und den jeweils beherrschten Gruppen abhängt. Ins Zentrum der Untersuchung rücken damit Praktiken, Wahrnehmungen und Diskurse, durch die der Erfolg des Regimes ausgehandelt wurde. Folgerichtig wird der Herrscher nicht primär als Person, sondern als persona, wahrgenommen. Aus Monarchengeschichte kann auf diese Weise Monarchiestrukturgeschichte werden.

Ein zentrales Element dieses Versuchsaufbaus ist der Vergleich. Seine Dividende ist die Erkenntnis des Nicht-Selbstverständlichen und kulturell Variablen. Im Fall der Monarchieforschung ist dies besonders notwendig. Denn die klassische Sprechweise über historische Alleinherrschaften erscheint unwillkürlich dem konzeptionellen Arsenal der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Monarchievorstellungen entlehnt zu sein, mit Elementen wie einer Sukzessionsordnung oder zumindest einer geregelten Nachfolge. Was allerdings gerade in diesem für jede Alleinherrschaft heiklen Punkt das Normale war, läßt sich nur über das Verhältnis von Ausnahme und Regel bestimmen.

Grundsätzlich erscheint es durchaus sinnvoll, das Thema „Integration durch monarchische Ordnung“ für die gesamte Vormoderne vergleichend zu behandeln. Aus pragmatischen Gründen soll allerdings der erste Vergleichshorizont, zumindest schwerpunktmäßig, im Altertum liegen. Selbst mit dieser Beschränkung ist die thematische Bandbreite erheblich genug, wenn man unter Altertum nicht lediglich das klassische Griechenland und Rom versteht, sondern auch den Alten Orient berücksichtigt. Und auch innerhalb der griechisch-römischen Welt ist ein weiter Horizont zu berücksichtigen: von der archaischen Tyrannis über die verschiedenen Spielarten des hellenistischen Königtums und den Optionen des römischen Kaisertums bis zu spätantiken und frühmittelalterlichen Monarchien. Im Rahmen der zehnjährigen Perspektive soll das Unternehmen auf Regime jenseits des Altertums ausgeweitet werden. Das europäische Mittelalter, der Mittelmeerraum in Mittelalter und früher Neuzeit (Araber und Osmanen) sowie Ostasien wären dafür die spannendsten Bereiche.

Forschungen dieser Dimension lassen sich seriös nur als Netzwerk betreiben. Ziel des Projekts ist es daher, im Rahmen des Exzellenclusters das Zentrum eines solchen Netzwerks an der Universität Konstanz zu etablieren. Gerade die Position der Vormoderne hängt unseres Erachtens ganz wesentlich an der Präsentation sichtbarer Leitbegriffe und Forschungskomplexe.
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