Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Säkularisierung

Geschichte und Aktualität einer Debatte

PD Dr. Uwe Hebekus

Abstract

Das Projekt stellt die westeuropäische Diskursgeschichte von ‚Säkularisierung‘ in einen größeren Kontext, der sich zum einen aus islamischen, zum anderen aus US-amerikanischen Positionen zusammensetzt.

Operiert die wirkungsträchtigste und gewissermaßen ideologisch verhärtete Ausprägung des westeuropäischen Säkularisierungsdiskurses mit einer ebenso binär wie asymmetrisch angelegten Unterscheidung zwischen ‚religiös‘ und ‚säkular‘, über die zugleich im Rahmen einer evolutionistisch-teleologischen Geschichtsphilosophie und mit universalistischem Anspruch ‚Säkularisierung‘ und ‚Modernisierung‘ nahezu synonym gesetzt werden, so erscheint diese Ausprägung in ihrer ganzen Partikularität, wenn sie neben islamische und US-amerikanische Konzepte von Modernisierung und/oder Säkularisierung gestellt wird.

Diesen gegenüber greift die binär angelegte und auf Modernisierung geeichte Differenz ‚religiös‘/‚säkular‘ ins Leere: etwa angesichts des ‚modernist Islam‘ des 19. Jahrhunderts, der sich einer ‚Modernisierung aus der islamischen Religion‘ verschreibt und der diese zugleich als Projekt eines ‚authentischeren Islam‘ versteht, oder auch angesichts jener wirkmächtigen US-amerikanischen Denktradition, derzufolge der Staat genau deshalb säkularisiert werden und sich vom Feld des Religiösen zurückziehen muss, weil erst dies ein Prosperieren der unterschiedlichsten religiösen Denominationen ermöglichen und garantieren kann, welches wiederum dem politischen Gemeinwesen als kulturelles Kapital zu Buche schlägt.

Diese diskursgeschichtliche und -logische Gemengelage kann zugleich dafür sensibilisieren, dass in seiner historischen Entwicklung auch der westeuropäische Säkularisierungsdiskurs selber über weite Strecken keineswegs aus einer binären Gegenüberstellung von Religiösem und Säkularem lebt, sondern sich vielmehr in Zonen einer kalkulierten Vermischung beider Größen bewegt, welche sich nicht zuletzt deshalb eröffnen können, weil für den Säkularisierungsbegriff von Beginn an eine semantische Ambiguität und eine ‚innere Unruhe‘ nachgerade konstitutiv sind.