Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Memoria im Frauenkloster

Prof. Dr. Gabriela Signori

Teil des Forschungsprojektes „Klöster und Klausen am Bodensee. Integration und Desintegration einer Klosterlandschaft“
Prof. Dr. Gabriela Signori, Dr. Michael Hohlstein, Anne Diekjobst

Abstract

Im Fokus des Teilprojekts stehen die klösterliche Jenseitsökonomie (memoria), ihr ökonomisches Fundament in Gestalt von Leibgedingen, Leibrenten und Pitanzen sowie der wandelbare Familien- und Gemeinschaftsbezug, der sich in den Stiftungten abzeichnet.

Die Arbeitsgrundlage bilden die Jahrzeitbücher aus ausgewählten Frauenklöstern, in die sich die geistlichen Frauen und ihre Familien auf unterschiedliche Art und Weise einschreiben (oder auch nicht). In denen neben personellen, aber auch institutionelle Beziehungen sichtbar werden (oder auch nicht).

Dem Quellenmaterial entsprechend spielen die Namen eine zentrale Rolle, nicht nur weil bislang noch niemand darauf geachtet hat, sondern weil sie die zentrale Kategorie der Identifizierung der einzelnen Klosterfrauen darstellen: Erst im späten 13. und 14. Jahrhundert dringt der Nach- bzw. Familienname ins Kloster. Fortan wird die einzelne Nonne als Tochter eines jeweils namentlich genannten Vaters (mit Vor- und Nachnamen) identifiziert.

Im Reformkontext des 15. Jahrhunderts wird versucht, den Familiennamen wieder aus dem Kloster zu verbannen. Die Entwicklung gipfelt in der frühneuzeitlichen Einführung eigener Klosternamen, der die soziale Herkunftsfamilie vollends „verschluckt“. Der Bezug zwischen Individuum, Familie und Gemeinschaft ist komplex und verändert sich kontinuierlich „mit“, zum Teil auch aber „gegen“ die Umwelt.