Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Neuerscheinung: Das konspirologische Denken. Von Kim Claude Meyer

27. Dezember 2017

Cover

Zur gesellschaftlichen Dekonstruktion der Wirklichkeit
Weilerswist: Velbrück 2017
Zitation

Verschwörungstheorien misstrauen dem Schein der Oberfläche. Sie vermuten dahinter ein konspiratives Treiben. Historisch müssen zwei kulturelle Strömungen unterschieden werden: das dämonologische und das konspirologische Denken. Dämonologische Verschwörungstheorien argumentieren – mit Blick auf die eigene Sozialstruktur – zentrifugal, das heißt nach außen: Es sind die Dämonen und sozial Schwachen, die Außenseiter und Ausländer, die Obdachlosen und Flüchtlinge, die Andersgläubigen und Andersaussehenden, die in Verdacht stehen. Dagegen ist das konspirologische Denken Kritik am Establishment. Der Verdacht richtet sich zentripetal gegen die eigenen Institutionen: Handeln die institutionellen Repräsentanten tatsächlich zum Wohle aller?

Die Digitalisierung der Medienlandschaft hat diese konspirologische Stimmung gefördert. Selbst viele politische Wahlkampfreden – und das nicht erst seit Donald Trump – argumentieren mit einer Mischung aus konspirologischen Schuldzuweisungen und dämonologischen Ängsten. Das konspirologische Denken sollte jedoch weder politisch noch sozialstrukturell voreilig eingegrenzt werden. Denn es muss nicht zwangsläufig Ausdruck extremistischer Weltanschauungen sein. Eine derartige Pathologisierung ist kulturwissenschaftlich weder halt- noch fruchtbar. In der Tradition von Georg Simmels impressionistischer Soziologie versucht das vorliegende Buch, Verschwörungstheorien wertneutral zu analysieren und zu dekonstruieren, um damit weiteren Forschungen ein brauchbares heuristisches Instrument zur Verfügung zu stellen. (Verlag)

Dr. Kim Claude Meyer wurde mit der vorliegenden Arbeit 2017 an der Universität Konstanz promoviert. Er war dort von 2010 bis 2013 Stipendiat am Graduiertenkolleg „Das Reale in der Kultur der Moderne“ und von 2013 bis 2015 Mitarbeiter am Lehrstuhl für Makrosoziologie. Seit 2017 arbeitet er als Wissenschaftsjournalist in Luxemburg.

Der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ hat das Erscheinen des vorliegenden Buches gefördert.


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