Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Karikatur – Gegenkunst und Provokation

26. Mai 2015

Spannende Einblicke in die „Kunstform“ Karikatur und ihre Aktualität gibt Prof. Dr. Thomas Steinfeld, Titularprofessor für Kulturwissenschaften an der Universität Luzern, in seinem öffentlichen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Foyer Forschung“.
Im anschließenden Gespräch mit Prof. Dr. Bernd Stiegler, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Konstanz, entwickelt er den Aufstieg dieser „halb erloschenen Kunstform“, die heute noch provoziert, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Die öffentliche Veranstaltung findet am Dienstag, 2. Juni 2015, um 20 Uhr im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums am Münster statt. Der Eintritt ist frei.

Thomas Steinfeld, der viele Jahre lang das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung leitete, geht in seinem Vortrag der Karriere einer so streitbaren wie umstrittenen Kunstform nach: der Karikatur. Ihr Aufschwung war eng mit der Erfindung des Buchdrucks verbunden, der ihre massenwirksame Verbreitung auf Flugblättern und in Zeitungen erst ermöglichte. Gesellschaftlich hing ihre Breitenwirkung mit der erstarkenden bürgerlichen Öffentlichkeit zusammen, ab dem 18. Jahrhundert in England, Frankreich und später im Deutschland des Vormärz.

„Die Karikatur war eine Gegenkunst“, erklärt Steinfeld. „Sie entstand aus einer Revolte gegen eine idealisierende, mit der Wirklichkeit nur selektiv umgehende Malerei. Sie blühte auf im Widerstand gegen die Zensur, sie erkannte in den Figuren der Macht die Verstellung, die repräsentative Pose und die Heuchelei.“

An Karikaturen scheiden sich nach wie vor die Geister, obwohl sie ihren wesenhaften Charakter als Gegenkunst verloren haben. Weshalb gilt sie trotzdem weiterhin als Maßstab der Meinungsfreiheit, wie etwa in Reaktion auf das Attentat auf Charlie Hebdo weltweit beschworen? Wie kann ein künstlerisches Genre, das schon Karl Kraus für beendet hielt, für das Selbstverständnis demokratischer Gesellschaften so wichtig sein? Und was hat die Karikatur damit zu tun, dass diese Gesellschaften zunehmend in Bildern auf sich selbst reflektieren?

Diesen Fragen widmen sich Thomas Steinfeld und Bernd Stiegler in der Auftaktveranstaltung zur Reihe „Foyer Forschung“. In dieser neuen öffentlichen Veranstaltungsreihe lädt das Kulturwissenschaftliche Kolleg Konstanz, das vom Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz getragen wird, einmal pro Semester ein, mehr über seine Forschungsthemen zu erfahren und mitzudiskutieren. Im Kulturwissenschaftlichen Kolleg Konstanz forschen jährlich rund zwanzig nationale und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Projekten zum Dachthema „Kulturelle Grundlagen von Integration“.


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