Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Verfolgt, verurteilt, verbrannt

5. November 2015

Ausschnitt aus dem Plakat

Die weltweit zweite Aufführung von „Verfolgt und verbrannt – Mexikos geheime Juden“, einer Collage aus Konzert und Lesung, wird am Donnerstag, 12. November 2015, um 20 Uhr im Steigenberger Inselhotel in Konstanz stattfinden.

Die Gedichte und Briefe des todgeweihten Luis de Carvajal („der Jüngere“) haben den mehrfach ausgezeichneten argentinischen Komponisten Osias Wilenski zu seinem jüngsten Werk inspiriert, dem Liederzyklus „Poemas y cartas de Carvajal“ (Gedichte und Briefe von Carvajal).

Tenor Friedemann Hecht, Sprecher Nikola David und Mitglieder des Berliner modern art ensembles präsentieren den Zyklus einmalig dem Konstanzer Publikum. Ihre Idee zu der Veranstaltung konnte Prof. Dr. Sina Rauschenbach dank einer Kooperation der Universität Potsdam mit dem Konstanzer Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ verwirklichen.

Wer war Luis de Carvajal der Jüngere? Der Spanier entstammte einer jüdischen Familie, die sich im 15. Jahrhundert unter Zwang taufen ließ, im Geheimen aber weiter die jüdische Religion praktizierte. Der Gefahr der spanischen Inquisition entkamen seine Mutter, Geschwister und Luis zunächst durch die Auswanderung nach Mexiko im Jahre 1580. Doch nicht lange nach ihrer Ankunft in Amerika wurde die Familie denunziert und vor das dortige Inquisitionstribunal zitiert. Aufgrund eines Schuldbekenntnisses wurden die Familienmitglieder zunächst bestraft und mit Auflagen freigelassen, fünf Jahre später jedoch erneut festgenommen und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

„Selbstzeugnisse von solchen Opfern der Inquisition existieren nur in den seltensten Fällen. Daher sind die Autobiographie Carvajals, seine Briefe und Gedichte so wertvoll für die Forschung“, erklärt die Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Sina Rauschenbach, die an der Universität Potsdam Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt jüdisches Denken lehrt. „Und gleichzeitig sind es berührende Zeugnisse, welche Ängste die Verfolgten hatten, welche Bedrohungen ihnen widerfuhren“, fügt sie hinzu.

Sina Rauschenbach legt großen Wert darauf, das Werk auch dem Konstanzer Publikum vorzustellen. Während eines Forschungsaufenthalts am Kulturwissenschaftlichen Kolleg Konstanz kam ihr die Idee, die Geschichte Carvajals mit der Musik von Osias Wilenski auf die Bühne zu bringen. Wilenski, der das Sujet schon in einer Oper behandelt hatte, schrieb den Liederzyklus „Poemas y cartas de Carvajal“ eigens für die Aufführungen in Potsdam und Konstanz. Bei der Aufführung in Konstanz wird er anwesend sein.

Mit „Verfolgt und verbrannt“ zielt die Forscherin auf ein kulturelles und ein religionswissenschaftliches Anliegen: Historisch Interessierte für die Musik zu begeistern und über die Musik den Zugang zur Geschichte zu erleichtern. Daher sind Lesungen aus den Selbstzeugnissen Carvajals, aus den Verhörprotokollen und dem Urteil der Inquisition in die musikalische Darbietung eingewoben. Vor der Aufführung, um 19.30 Uhr, gibt Sina Rauschenbach den Zuschauern eine Einführung in das Werk. Die Lieder werden in der Originalsprache gesungen, die Texte auf Deutsch gelesen.

Tickets sind im Vorverkauf bei den Buchhandlungen Buch Kultur Opitz sowie Homburger & Hepp, unter www.reservix.de sowie an der Abendkasse erhältlich.

Hinweis an die Redaktionen

Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:


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