Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Neuerscheinung: Das Dienstmädchen, die Familie und der Sex. Von Eva Eßlinger

15. April 2013

Cover

Zur Geschichte einer irregulären Beziehung in der europäischen Literatur. München: Fink 2013
Zitation

Die prekäre Existenz weiblicher Hausangestellter in Küchen, Kinderzimmern und Ehebetten hat eine Vorgeschichte, die so alt ist wie die Geschichte des modernen Romans.

Mit Richardsons Erfolgsroman Pamela (1740) betritt eine Figur, die bis dahin eine Randexistenz in der Komödie zu fristen hatte, die Bühne des modernen Romans: das Dienstmädchen. Ihre Karriere führt sie durch alle Gesellschaftsschichten und literarischen Gattungen. Man begegnet ihr als soziale Aufsteigerin bei Richardson, als gepeinigte Unschuld bei de Sade, frömmelnde Alte und „einfaches Herz“ bei Flaubert, hysterische Magd, schließlich als Ehemonster bei Elias Canetti – bevor sie in der Angestelltenwelt des modernen Films untergeht. Über zweihundert Jahre ist sie die Verkörperung einer bis heute unaufgelösten Paradoxie: nämlich dass die Welt der bürgerlichen Familie sich zu einem intimen Binnenraum schließt, strukturell aber von der Dauerpräsenz familienfremder Personen abhängig bleibt.

Das Buch analysiert den bürgerlichen Familiendiskurs von seinen Rändern und Ausgrenzungen her – in prominenter Weise bei Sigmund Freud, dessen Fallstudien vielfach von weiblichen Dienstboten handeln, die im Vater-Mutter-Kind-Mythos der Psychoanalyse keinen Platz finden. (Verlag)

Interviews

Das verführte Mädchen im Roman
Eva Eßlinger im Video-Interview mit Alexander Kluge über das Dienstmädchen in der Literatur
dctp.tv, 10 vor 11, 22. Juli 2013 (24 min.)

Das Dienstmädchen und die Familie
Eva Eßlinger im Interview über ihr jüngst erschienenes Buch „Das Dienstmädchen, die Familie und der Sex“
RBB Radio Eins, Die Profis, 4. Mai 2013

Rezensionen

Am heimischen Unruheherd
Eva Eßlingers Studie „Das Dienstmädchen, die Familie und der Sex“ ist eine mit den Mitteln der Philologie gebaute Geisterbahn. Rezension von Lothar Müller
Süddeutsche Zeitung, 2. November 2013, S. 15

Von der Treue zur Dienstbotenromanze
Brigitte Werneburg, taz, 18. Juni 2013

Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Eva Eßlinger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik der Ludwig-Maximilians-Universität München (Lehrstuhl Prof. Dr. Inka Mülder-Buch). Ihre vorliegende Dissertation ist am Graduiertenkolleg „Die Figur des Dritten“ der Universität Konstanz entstanden; die Drucklegung hat der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ gefördert.


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