Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Erinnerte Feindschaften

4. April 2011

Plakat

Spannungen zwischen Nachbarländern mag man an grenzbedingten Reibungsflächen festmachen, meist haben sie jedoch bestimmte Auslöser. Im Fall von Deutschland und Polen ist der 1. September 1939 ein Schlüsseldatum. Der brutale Überfall und mit ihm die ersten Verbrechen des Zweiten Weltkriegs stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „‚Größte Härte…’ Verbrechen der Wehrmacht in Polen, September – Oktober 1939“, die ab 7. April im Konstanzer Stadtarchiv zu sehen ist.
Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung mit einführenden Vorträgen und einer Lesung am 7. April um 19 Uhr im Stadtarchiv ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen.

Größte Härte traf Polen im September 1939 beim Überfall der Deutschen Wehrmacht. Rücksichtslosigkeit prägte die deutsche Kriegsführung von Anfang an, gegenüber polnischen Zivilisten genauso wie gegen Juden und Kriegsgefangenen. Während schon seit geraumer Zeit wissenschaftlich belegt ist, dass die Wehrmacht ab 1941 an Verbrechen in Ost- und Südosteuropa beteiligt war, stand das, was kurz nach dem Einfall der Deutschen in Polen 1939 geschah, lange nur am Rande der wissenschaftlichen wie öffentlichen Aufmerksamkeit.

Hier setzten das Deutsche Historische Institut Warschau und das polnische Institut des Nationalen Gedenkens an und machten sich mit ihren Forschungsarbeiten gemeinsam auf die Spuren des belasteten Verhältnisses zwischen den Nachbarländern. Wie brutal die Wehrmacht in Polen vorging, demonstrieren die zuvor unveröffentlichten Quellentexte, Fotografien und Dokumente der Ausstellung. Sie helfen den Besuchern, die erinnerten Feindschaften der Nachbarn nachzuvollziehen und leisten damit auch einen Beitrag zum besseren gegenseitigen Verständnis.

Die Ereignisse in Polen gehen auch den Bodenseeraum an, wie eine eigens angefertigte Erweiterung der ursprünglichen Ausstellung zeigt. Denn das in der Radolfzeller Kaserne stationierte III. Bataillon der SS-Standarte „Germania“ nahm am deutschen Überfall auf Polen im September 1939 teil. „Der regionale Bezug liegt auf der Hand,“ so der Konstanzer Stadtarchivar Dr. Jürgen Klöckler. „Als einer der ersten Gefallenen des Landkreises Konstanz gilt der Kommandeur der hiesigen SS-Standarte, der 1938 die Sprengung der Synagogen in Konstanz und auf der Höri zu verantworten hatte. SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen fiel gleich zu Beginn des deutschen Überfalls. Sein Name ist bis heute auf dem Ehrenmal am Radolfzeller Luisenplatz vermerkt, was jüngst zu heftigen Diskussionen führte. Auch sein Schicksal wird nachgezeichnet.“

Die Ausstellung, die der Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Konstanz und dem Deutschen Historischen Institut Warschau zeigt, ist bis 22. Mai täglich von 9 bis 17 Uhr im Stadtarchiv kostenlos zu besichtigen. Ein begleitendes Vortragsprogramm setzt die Ereignisse von 1939 in einen größeren Kontext – von der weiteren Entwicklung des Krieges über den Widerstand bis hin zur aktuellen historischen Verarbeitung.


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