Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Eine transatlantische Erfolgsgeschichte

29. Juni 2018

Bücher im Bücherregal

Was verstehen wir unter Weltliteratur? Und was kann sie bis heute bewirken? Der renommierte deutsch-amerikanische Literaturprofessor Martin Puchner hält am Montag, 9. Juli 2018, die diesjährige Iser-Lecture über „Weltliteratur – Die kuriose Geschichte einer deutsch-amerikanischen Idee“. Alle Interessierten sind zu der Veranstaltung, die um 17 Uhr im Senatssaal (V 1001) der Universität Konstanz beginnt, herzlich eingeladen.

Nicht erst die Globalisierung brachte den Begriff „Weltliteratur“ hervor. Martin Puchner, Byron and Anita Wien Professor of Drama and of English and Comparative Literature an der Harvard University, erzählt anekdotisch über die Wortschöpfung:

Am 31.1.1827 schockiert Goethe seinen braven Sekretär Eckermann mit einem neuen Wort: Weltliteratur. Goethe hatte mal wieder einen chinesischen Roman gelesen und Eckermann so lange von der chinesischen Literatur vorgeschwärmt, bis es Eckermann angst und bange wurde. Es sollte nämlich noch Tausende solcher chinesischer Romane geben, und Eckermann kannte keinen einzigen davon. Und jetzt fügt der Meister noch hinzu, dass eine neue Epoche an der Zeit sei, die Epoche der Weltliteratur. Da würde man sich ja auf etwas gefasst machen müssen, denkt Eckermann, in der tiefsten Weimarer Provinz.

Trotz vieler Skeptiker und Feinde gewann die Idee der Weltliteratur bald neue Anhänger, etwa Karl Marx und Friedrich Engels, die ihr in dem Kommunistischen Manifest einen Ehrenplatz einräumten. Im 20. Jahrhundert geriet die Idee der Weltliteratur dann über Istanbul in die Vereinigten Staaten, wo sie sich in den zunehmend multikulturellen Universitäten einnistete, besonders im Studium Generale der amerikanischen „liberal arts education“. Von hier aus wurde der Begriff der Weltliteratur in neuester Zeit wieder in die restliche Welt zurückexportiert, auch nach Deutschland.

In seiner Iser-Lecture greift Puchner Goethes Idee der Weltliteratur neu auf, um sie in die größeren Zusammenhänge von Markt und Technologie zu stellen. Schon Goethe hatte erkannt, dass Weltliteratur auf einem Markt basiert, der durch Übersetzung am Laufen gehalten wird. Aber auch Technologien – Papier, Buchdruck, Internet – haben die Geschichte der Literatur seit 4.000 Jahren vorangetrieben. „Es ist spannend zu verfolgen, dass Markt und Technologie als Antriebskräfte nicht nur Neuerungen bringen. Zugleich kommen einige sehr alte Techniken plötzlich wieder zum Vorschein“, erklärt der Literaturwissenschaftler, der das viel beachtete Buch „The Written World: The Power of Stories to Shape People, History, Civilization“ (Random House, 2017) verfasst hat.

Die Wolfgang-Iser-Lecture wird jährlich vom Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ in Erinnerung an den bedeutenden Konstanzer Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Iser veranstaltet. Neben damaligen Mitgliedern der von Iser mit geprägten Forschergruppe Poetik und Hermeneutik kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Wort, die Denkanstöße von Wolfgang Iser aufgreifen, weiterdenken und auf diese Weise forschend sein Erbe antreten. Die Lehrveranstaltungen, die Puchner zu Beginn seiner akademische Karriere an der Universität Konstanz besucht hatte, haben – so der Wissenschaftler – seinen eigenen Werdegang sehr geprägt.

Faktenübersicht

  • Neunte Wolfgang-Iser-Lecture des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ unter dem Titel „Weltliteratur – Die kuriose Geschichte einer deutsch-amerikanischen Idee“
  • Ort: Senatssaal (V 1001) der Universität Konstanz
  • Zeit: Montag, 9. Juli 2018, 17 Uhr
  • Wolfgang-Iser-Lecture des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ in Erinnerung an den Konstanzer Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Iser.

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