Universität KonstanzExzellenzcluster: Kulturelle Grundlagen von Integration

Kollektive(s) Schreiben

15. März 2018

Plakat

Tagung

In Abgrenzung zum bis heute dominant gebliebenen und behaupteten Normalfall von Textproduktion, der nur eine_n Autor_in, eine Feder und einen Text vorsieht, widmet sich die Tagung dem Schreiben von Kollektiven im doppelten Sinne: Gleichermaßen mit der Kollektivität von Schreibprozessen wie auch mit der Konstitution von Kollektiven durch Schreibverfahren befasst, sollen die dabei entstehenden Verbünde als relationale Gefüge in ihrer Dynamik beschrieben und auf die involvierten Akteur_innen und Verfahren hin befragt werden.

Kollektives Arbeiten wie auch Arbeiten am Kollektiv hängt dabei mit einer Reihe von Transformationsprozessen zusammen. Basierend auf diesem Befund möchte die Tagung ergründen, wie Texte oder textuelle Versatzstücke in Bewegung versetzt werden, und wie sie verändert aus der Zirkulation zwischen unterschiedlichen Instanzen und Institutionen wieder hervorgehen. Berührt ist damit ein fundamentaler Aspekt von Textualität, der nicht zuletzt die Frage der Werkhaftigkeit betrifft. Denn es macht einen keineswegs nebensächlichen Unterschied, ob ein Textkomplex als Ergebnis einer Aggregation von Autor_innen oder als das einer ‚kollektiven Intelligenz‘ gelesen wird.

Zugleich soll aber auch berücksichtigt werden, wie die eingebundenen Kollektive selbst durch den Akt des Zusammenschreibens modifiziert werden. Mit schreibenden und/oder erschriebenen kollektiven Identitäten geht schließlich die Frage ihrer (Selbst-)Inszenierung einher; und sie verlangen in den meisten Fällen von ihren Akteur_innen, sich als zugehörig oder nichtzugehörig zu deklarieren. Kollektive können folglich im Schreibprozess unterschiedliche integrative Qualitäten ausbilden, bis hin zu dem Umstand, dass sie zugleich auch wieder desintegrativ wirken, wenn etwa das kollektive Zustandekommen von Texten im Publikationsprozess verschleiert oder verschwiegen wird. Da Kollektive nicht notwendigerweise die Zustimmung aller Beteiligten voraussetzen, muss schließlich immer auch die Möglichkeit gewaltsamer Integration – als ‚collectif involontaire‘ – offenbleiben.

Do–Fr, 15.–16. März 2018
Universität Konstanz, Y 311

Kontakt

Thomas Traupmann thomas.traupmann[at]uni-konstanz.de
Daniel Ehrmann daniel.ehrmann[at]sbg.ac.at


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